Donnerstag, 9. Juni 2016

Plasti Dip für die Alufelgen

Diesmal gibt es einen Artikel der nicht unmittelbar mit unserem Haus zutun hat. Eher mit dem Garten :-)

Wir wollten schon länger für frischen Wind bei unserem Auto sorgen, und planten daher es komplett Folieren zu lassen. Nachdem uns nun mehrere Angebote für eine komplette Folierung unseres Seat Leon ST vorliegen, kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass diese Art der Veränderung einfach zu teuer wäre. Die Angebote reichen von 1.850,- Euro bis hin zu unglaublichen 3.100,- Euro. Dabei sind die Unterschiede nicht nur in der Qualität der Folie zu finden. Auch die anberaumte Arbeitszeit variiert stark.

Nach gründlicher Analyse und dem vergleichen der Angebote stellte sich heraus, dass es kaum möglich ist ordentliche Vergleiche anzustellen. Einige Anbieter setzen auf stärkere Folien und haben somit höhere Materialkosten sowie einen höheren Arbeitsaufwand für die Anbringung der Folie. Andere Anbieter schwören auf dünnere Folien die sich einfach an die Konturen des Fahrzeugs anlegen lassen. Wie auch immer, kommt eine Folierung wegen der Kosten nicht in Frage.

Als wir dieses Vorhaben schon aufgeben wollten, kam ein Freund und erzählte davon, dass er bei einer Tuning-Messe einen Aussteller sah, der eine Art Folie direkt auf den Wagen aufsprühte. Diese Anwendung wäre erheblich günstiger und vergleichbar mit Folien. Was mich natürlich sehr interessierte.

Somit begann ich mit einer Online-Recherche um etwas mehr über das Dipping heraus zu finden. Dabei stieß ich auf unzählige Youtube-Clips und eine große Zahl an Foren und dementsprechend noch mehr Infos in den Posts. Allerdings gab es eigentlich kaum Hinweise über die Qualität und die Haltbarkeit. Sehr brauchbar waren die Clips die direkt vom Hersteller des Originals Performix eingestellt wurden. Diese findet man übrigens auch auf der Seite des autorisierten Importeurs ProDip unter www.prodip.eu . Dort wird gezeigt wie die Teile vorzubereiten sind, wie man Plasti Dip verarbeitet und wie man Oberflächen lange erhalten kann.

Worum es beim Dippen geht

Das Dippen ist eine Mischung aus lackieren und Folie aufbringen. Es werden dabei gelöste
Kunststoffpartikel fein auf eine Oberfläche aufgesprüht. Während des Trocknungsvorganges, der Schicht für Schicht recht schnell geht, verbinden sich die Partikel zu einer homogenen Oberfläche. Diese ist ähnlich einer Folie und fühlt sich letztendlich auch so an. 

Hat man eine matte Farbe gewählt, dann ist die Oberfläche leicht rau. Durch die Glanzversiegelung, mit der man eine glänzende Oberfläche bis hin zum Metallic-Finish erreicht, fühlt sich die Oberfläche dann auch viel glatter an.

Die Verarbeitung

Verarbeitet wird Plasti Dip genau so wie herkömmlicher Autolack. So gibt es zwei Alternativen. Entweder kauft man sich für kleine Flächen das Plasti Dip Aerosol oder für große Projekte Plasti Dip Galons das sich für die Verarbeitung mit Sprühpistolen eignet.

Werden Sprühdosen verwendet, dann kann man damit schnell und einfach kleine Flächen dippen. Alufelgen und Außenspiegel zählen ebenfalls dazu wie zum Beispiel Rennstreifen oder andere Verzierungen. Bei der Dose muss man naturgemäß darauf achten, dass man die Dosen immer aufrecht oder nur leicht geneigt verwendet, da sonst der Anteil an Treibgas im Verhältnis zum  Plasti Dip zu hoch ist und es sich Tropfen bilden. Außerdem sollte man die Dosen auf einmal aufbrauchen, da sich am Sprühkopf Rückstände bilden die bei einer späteren Verwendung zu einem ungleichmäßigen Sprühbild führen.

Professionelle Lackierer werden mit den Gallonen ihre Freude haben, denn diese kommen bereits vorgemischt und müssen nur noch in den Behälter der Lackierpistole eingefüllt werden. Die Verarbeitung ist dann gänzlich mit einer Lackierung des Autos vergleichbar.

Wie es weiter ging

Nach all den Videos war ich fast überzeugt, dass es die passende Option für unser Auto sein könnte. Allerdings ist es trotzdem ein recht großer Aufwand, wenn man es selbst an seinem Auto anwenden möchte. Und falls man es machen lässt, dann kommt man nicht um hin ein wenig in die Tasche zu greifen, denn auch das Dippen des Autos ist nicht kostenlos. Für einen Kombi in der Größe des Leon ST muss man mit rund 800,- Euro rechnen, wenn man die Arbeit von einem Profi machen lässt. Das ist weitaus günstiger als mit Folie, aber noch immer ein Batzen Geld. Um mir also sicher sein zu können, ob das Dippen wirklich die gesuchte Alternative ist, musste ich es im Kleinen ausprobieren.

Dabei bot es sich an, dass Plasti Dip auch auf Alu-Felgen eingesetzt werden kann. So kann ich mir mal die Anwendung, die Qualität des Ergebnisses und die Haltbarkeit ansehen. Über Verarbeitung und Ergebnis werde ich in diesem Beitrag berichten. Die Haltbarkeit wird sich erst im Laufe der Zeit herausstellen, da ich für meine ersten Versuche die Winterräder unseres Seat Leon ST auswählte. Diese sind meiner Ansicht nach perfekt als Versuchsobjekt geeignet, da sie über einen Zeitraum von etwa fünf Monaten widrigsten Bedingungen ausgesetzt werden. Je nach Witterung sind sie dem Sonnenlicht, Regen, Schnee, Eis und Kälte ausgesetzt. Außerdem wirken neben Streusalz als chemische auch eisiger Schnee in Parklücken als mechanische Einflüsse auf die gedippte Oberfläche ein. Am Ende des Winters wird also klar sein, ob diese Oberflächenbehandlung für die Ansprüche der zentral-europäischen Witterung geeignet ist.

Nachdem klar war was ich machen wollte, bestellte ich mir bei ProDip das benötigte Material um vier Stück Alufelgen mit einem Durchmesser von 16 Zoll zu behandeln. In diesem Fall wird empfohlen eine Dose Plasti Dip Aerosol je Felge zu verwenden, um ein sehr gutes Ergebnis zu bekommen. Dabei handelt es sich um Plasti Dip in Sprühdosen, die vergleichbar mit Spraylack anzuwenden sind. Außerdem orderte ich mir auch noch eine Reinigungsflüssigkeit und ein Mittel mit dem man Bereiche die nicht überzogen werden sollen vorbehandelt.

Die Einkaufsliste war in meinem Fall wie folgt:
In Summe kam alles auf 136,60 Euro inklusive Steuer und Versandkosten. Wobei die Maske mit rund 50,- Euro etwas ist worauf man getrost verzichten könnte. Dann lägen die Gesamtkosten auf knapp 90,- Euro für alle vier Felgen. Nun bin ich allerdings ein Sicherheitsfanatiker und gehe absolut kein Risiko ein, wenn es um Farben und Lacke und die entsprechenden Dämpfe geht. Also liegt mein Preis pro Felge etwas höher, nämlich bei etwa 34,- Euro. Noch immer echt günstig.

Leider habe ich keinen geeigneten Raum in dem ich meine Felgen besprühen kann, daher muss ich das im Freien erledigen. Also musste ich fürs erste mal auf geeignetes Wetter warten. Meistens regnete es oder es gab zumindest einen dauerhaft starken Wind. Beides nicht besonders gut geeignet für mein Vorhaben. Am vergangenen Wochenende war es dann endlich so weit und die Sonne kam raus. Also begann ich mit meinem Projekt.

Die Vorbereitung

Damit Plasti Dip ordentlich auf der auf der Oberfläche der Alufelgen haftet, muss diese gründlich gereinigt und vor allem fettfrei sein. Da die Felgen nun bereits drei Winter lang verwendet wurden und ich in dieser Zeit nie die nötige Leidenschaft aufbringen konnte die Alufelgen zu reinigen, hat sich der Schmutz von rund 25.000 Kilometern Laufleistung auf den Oberflächen niedergeschlagen. Mit einfachen Mitteln konnte ich diesem Schmutz nicht mehr Herr werden.

Somit begann ich damit, die Felgen ordentlich mit einem speziellen Felgenreiniger einzusprühen.
Dieser hat die Eigenschaft Bremsrückstände zu lösen und auch öligen Rückständen auf den Pelz zu rücken. Durch diese Vorbehandlung konnte ich mit dem Hochdruckreiniger bereits einen großen Teil der Verunreinigung entfernen. Es brauchte allerdings einige Durchgänge bis der gröbste Schmutz entfernt war. Im letzten Waschdurchgang reinigte ich die Felgen nochmal mit Felgenreiniger und einem in vier Teile geschnittenen Mikrofasertuch. So konnte ich auch die Zwischenräume sehr gut vom Schmutz befreien.

Nachdem die Räder getrocknet waren ging ich zur eigentlichen Vorbehandlung über. Wieder kamen kleine Mikrofasertücher zum Einsatz auf die ich PreDip sprühte. So konnte ich sicher gehen, dass nicht zu viel des Mittels an die Felgen und Reifen kommt und dann womöglich an diesen Stellen das Ergebnis schlechter würde. 

PreDip kann man recht sparsam einsetzt. Die Flasche die ich hier in der Hand halte reicht locker für ein komplettes Auto aus. Viel wichtiger ist, dass man die Mikrofasertücher regelmäßig wechselt, weil sich dort die fettigen und öligen Rückstände sammeln und man nach kurzer Zeit nicht mehr die gewünschten Ergebnisse erhalten würde.

Nach dieser Behandlung sollte man die Oberflächen ordentlich trocknen lassen. Das wird bei sparsamer Anwendung von PreDip vermutlich nicht besonders lange dauern.

Als die kompletten Felgen mit PreDip behandelt waren, trug ich noch eine dünne Schicht DipRelease auf die Seitenwände der Reifen auf. Das muss natürlich sehr vorsichtig gemacht werden, da sonst unter Umständen an Stellen DipRelease aufgetragen wird an denen eigentlich das Plasti Dip haften soll. Passiert das, dann muss man die Stelle mit PreDip nochmals reinigen, da Plasti Dip dort nicht ordentlich haftet und sich früher oder später unschön ablösen wird.

Die Verarbeitung am 'lebenden Objekt'

Plasti Dip wird im einfachsten Fall mit einer Spraydose aufgetragen. Das funktioniert nicht anders als mit Spray-Lack. So bringt man Schicht für Schicht auf und wartet bis der letzte Auftrag leicht angetrocknet ist. Im Prinzip kann man auch gleich eine deckende Schicht sprühen, muss aber dann eventuell in Kauf nehmen, dass Plast Dip verläuft und Nasen bildet. Das kann beim Auftragen in dünnen Schichten nicht passieren.

Wie bei allen Spray-Dosen ist die Lage der Dose wichtig. Hält man Sie aufrecht oder in einem Winkel ab mindestens 90° zum 'Werkstück', dann kann eigentlich nichts schief gehen. Nur wenn der Winkel zwischen Dose und zu besprühender Oberfläche zu flach wird, dann ist der Anteil an Treibmittel zu hoch und das Sprühbild wird schlechter. 

Als sehr praktisch hat sich der Griff herausgestellt, weil man damit wirklich viel komfortabler arbeiten kann als ohne. Man spart sich das teilweise mühsame Niederdrücken des Spaydosenkopfs und bekommt auch schönere Ergebnisse.

Mir ist bei der Verarbeitung aufgefallen, dass es einige Dinge zu beachten gibt, wenn man im Freien Dippen will. 
  • Die Verarbeitung sollte nicht im direkten Sonnenschein durchgeführt werden, da der feine Sprühnebel teilweise noch vor dem Auftreffen auf der Oberfläche trocknet und dann ersten nicht mehr haftet und zweitens zur Bildung von einer Art Plasti-Dip-Spinnweben führt.
  • Weiters sollte man Plasti Dip ohne zu lange Pausen verarbeiten. Bei vier Alufelgen würde ich sagen, dass man bereits bei der ersten Felge mit der nächsten Schicht beginnen kann sobald man bei der vierten Felge angelangt ist. Die Trocknungszeit sollte ausreichend sein.
  • Außerdem ist es nicht ratsam angebrauchte Dosen ohne eine ordentliche Reinigung der Düse nach einer Lagerzeit zu verwenden. Die Düsen sind dann meist verlegt und man bekommt unschöne Patzer und Tropfen in die Oberfläche. Man sollte also die Düse mit Nitro oder ähnlichem reinigen bevor man die Dose erneut verwendet.
  •  Bei der Verarbeitung spielt die Temperatur ebenfalls eine Rolle. Da ich an einem Sommertag
    arbeitete an dem es Temperaturen bis knapp unter 30° Celsius gab, konnte ich feststellen, dass sich das Oberflächenbild merklich verschlechterte, als die Temperatur über 25° C lag. Vermutlich sollte man also bei der Verarbeitung darauf achten, dass man zwischen 20° und 25° Celsius Umgebungstemperatur hat. Die Oberfläche wird bei höherer Temperatur etwas körnig und nicht ganz so homogen wie bei etwas niedrigeren Temperaturen.
  • Wenn man im Freien arbeitet, dann lässt es sich auch kaum verhindern, dass sich Pollen oder Staub an der zu dippenden Oberfläche festsetzen. Vielleicht wäre hier der Einsatz eines mobilen Partyzeltes eine Möglichkeit um äußere Einflüsse möglichst auszuschließen.
Nach dem Aufbringen von sieben Schichten Plasti Dip auf die Alufelgen unseres Autos, wobei ich mich nicht nur der Vorderseite der Felgen annahm, sondern auch das Tiefbett ordentlich einsprühte, waren die Felgen nicht mehr wieder zu erkennen. Von silber zu mattschwarz in etwas weniger als drei Stunden. Wobei alleine die Reinigung und Vorbereitung etwas mehr als eine Stunde in Anspruch nahm.

FAZIT
Jetzt müssen sich die gedippten Felgen erst mal einen Winter lang bewähren, bevor ich den nächsten Schritt wage und unser Auto dippe. Dabei ist mir klar geworden, dass es nicht ganz so trivial ist wie ich dachte. Vor allem für die Vorbereitung muss man ausreichend Zeit einplanen, und dabei habe ich nur unsere Felgen gemacht. Für ein komplettes Fahrzeug ist der Aufwand wesentlich höher, da man dann auch noch viele Bereiche ordentlich abkleben muss.

Hat man allerdings eine ordentliche Vorarbeit geleistet, dann ist das Ergebnis durchaus überzeugend. Die Oberflächenstruktur ist sauber und kleine Fehler fallen vor allem bei matten Oberflächen nur bei sehr genauer Betrachtung auf.

Kleine Fehler in der Oberfläche sollte man auf jeden Fall vor dem Dippen korrigieren, da tiefere
Kratzer auf Grund der sehr dünnen Beschichtung nahezu 1:1 wiedergegeben werden. Das dünne Material reicht einfach nicht zum Ausgleichen. Auf dem Bild sieht man, dass die Kratzer in den Felgen auch nach dem Dippen noch gut zu sehen waren. Damit habe ich natürlich gerechnet.

Wenn man diese zuvor jedoch entsprechend vorbehandelt und grob aus der Oberfläche ausschleift, dann kann man solche kleineren Schäden durch Dippen der Oberfläche sicher auch heraus bekommen.

So und nun noch zwei Bilder einer fertigen Felge. 
 
Die Oberfläche wurde sehr homogen und lässt erst bei sehr genauem Hinsehen kleinere Fehler erkennen. Die basieren dann hauptsächlich auf der Art der Anwendung. Beim nächsten Mal werde ich sicher nicht unter freiem Himmel, bei über 25° C und im direkten Sonnenlicht dippen, weil meiner Meinung nach dadurch die meisten Ungenauigkeiten verursacht wurden.

Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, vor allem, wenn man auch noch die sehr überschaubaren Kosten im Blickfeld behält. Je nachdem welche Kosten man nun dazu kalkuliert, kostete mein Plasti Dip Versuch pro Felge ab 22,50 Euro (ohne Maske). Wenn man mehrere Felgen macht, dann wird es noch günstiger, da man sowohl PreDip als auch DipRelease mehrfach verwenden kann. 

5 von 5 Sternen

Montag, 25. April 2016

Finether Mehrzweckleiter - Minigerüst aus Alu

Die Anwendungsgebiete für eine derartige Mehrzweckleiter sind sehr vielfältig. Wir haben ein Haus und damit immer irgend etwas zu richten oder zu putzen. Dafür besitzen wir bereits zwei Mehrzweckleitern. Allerdings noch keine die man als niedriges Gerüst verwenden kann. Also bestellte ich dieses Modell um es mal genauer anzusehen.

Geliefert wurde die Leiter in einem Karton (120 x 50 x 35 cm). Sie hat nur etwa 13 kg und ist damit ein Leichtgewicht unter den Alu-Leitern.



Schon beim Auspacken war ich der Meinung, dass ich hier etwas ordentliches bekommen habe. Die beiden Fußteile sind nicht montiert und die Öffnungen in denen sie eingeschoben werden müssen sind mit Plastik-Stoppeln verschlossen. Beim
Entfernen der Plastikteile sollte man aufpassen, denn die Schnittkanten des Aluminiums sind an dieser Stelle sehr scharfkantig. Dort habe ich mir auch gleich einen tiefen Schnitt im Finger zugefügt.

Mit jeweils zwei Schrauben werden die Füße in der Leiter fixiert. Um die Leiter in den verschiedenen Positionen zu arretieren sind entsprechende Bajonettverschlüsse in den Gelenken eingebaut. Damit muss man nur jeden Verschluss spannen und kann dann bis zur nächsten Raste weiter drehen. Umgekehrt bleibt der Verschluss beim Zuklappen so lange offen bis die Leiter im 'Lagermodus' ist.

So lässt sich die Leiter als Anlegeleiter, normale Leiter zum Aufstellen, gestützte Anlegeleiter oder auch als niedriges Gerüst verwenden. Für die Verwendung als Gerüst liegen zwei Platten bei die auf dem Gerüst aufgelegt werden. Damit kommt man auf eine Standhöhe von 1,2 Meter und eine Arbeitshöhe von bis zu 3 Metern. Dabei ist das Gerüst stabil genug, dass man nicht andauernd Angst haben muss hinunter zu fallen.

Finether Mehrzweckleiter aus Aluminium als Anlegeleiter oder Gerüst zu verwenden








Freitag, 4. März 2016

Der Tiefenerder

Es gibt einige Gründe warum ein Haus geerdet sein soll oder muss. Hauptsächlich ist es die Schutzerdung der elektrischen Verbraucher die eine Erdung des Hauses notwendig macht. Dabei geht es darum , dass ein Schutzschalter (FI) dies zur Erkennung von Fehlerströmen benötigt. Durch den FI sollen Personen vor Stromschlägen durch defekte Geräte geschützt werden. Weitere Anwendungen sind die Funktionserdung zum störungsfreien Betrieb von elektrischen Geräte und natürlich auch der Blitzschutz eines Hauses, um nur ein paar zu nennen.

Im Normalfall wird bei Neubauten ein Fundamenterder oder ein Ringerder verbaut der genau diese Anforderungen erfüllt. Der Fundamenterder ist ein Stahlband oder ein etwa 8 mm starker Runddraht, vorzugsweise aus Edelstahl gefertigt damit die Erdung nicht frühzeitig der Korrosion zum Opfer fällt, das unter der Fundamentplatte eines Hauses verlegt wird. Ein Ringerder ist ebenfalls aus Edelstahl und wird ringförmig um das Fundament eines Hauses verlegt.

Die benötigte Oberfläche für die optimale Ableitung der Ströme hängt von der geplanten Anwendung ab. Reichen für eine Schutzerdung bereits wenige Meter Material aus, so muss man für einen optimalen Blitzschutz weitaus umfangreicher Planen.

Tiefenerder kommen vor allem bei der Sanierung von älteren Gebäuden bei denen keine Erdung verbaut wurde oder die vorhandene Erdung bereits so korrodiert ist, dass der Übergangswiderstand zu hoch ist zum Einsatz. Bei einem Neubau ist es normaler Weise nicht notwendig sich über Tiefenerder Gedanken zu machen, da man hier ja mit einem Fundamenterder die ideale Lösung hätte.

Anders war es bei unserem Neubau, da die Bauarbeiter bei der Herstellung der Fundamentplatte leider übersahen, dass eine 16 cm starke XPS-Dämmplatte nicht nur ideal gegen Wärmeverluste sondern ebenso perfekt gegen die Übertragung von Strömen dämmt. So legten sie damals die Erdung nicht unter die Dämmplatten, sondern darauf und verbanden sie mit den Baustahlgittern des Fundaments. So wie es sein sollte kamen auch an allen vier Ecken des Hauses und in unserem Technikraum an der Stelle des Elektro-Vertreilers entsprechende Runddrähte aus der Fundamentplatte.

Für mich war leider kein Mangel erkennbar. Erst als der Blitzschutz-Techniker kam und feststellte, dass der Widerstand der Erdung so hoch war, dass er de facto als Isolierung gilt, entdeckten wir den Fehler der beim Bau gemacht wurde. Der Techniker erklärte mir, dass wir eigentlich keinen Blitzschutz benötigen würden, da alle Häuser im umkreis mit entsprechenden System ausgestattet wären und wir lediglich eine Schutzerdung herstellen müssten.

So machte ich mich also schlau was wir für eine Schutzerdung benötigen würden, und erhielt die Info, dass ein Tiefenerder mit 1,5 bis 2 m Länge in der Nähe unseres Verteilerschrankes genügen würde. Für einen ordentlichen Blitzschutz sollten bei unserer Hausgröße bereits an allen vier Ecken des Hauses Tiefenerder mit 5 bis 7 m in die Erde geschlagen werden.


Da wir vorerst mit dem Schutzerder das Auslangen finden, machte ich mich auf die Suche nach einem System das ich selbst anbringen könnte. Dabei fand ich auf eBay Edelstahl-Staberder mit 20 mm Durchmesser und jeweils 1,45 m Länge für jeweils knapp über 60 Euro. Ich bestellte mir einen Stab mit Spitze und ein Verlängerungsstück sowie eine Einschlaghilfe mit SDS-max Bohrfutter.

Die Staberder kamen gemeinsam auf rund 130,- Euro und die Einschlaghilfe schlug nochmal mit 50 Euro zu Buche. Diesen kann man dafür aber mehrfach verwenden und später sicher wieder verkaufen. Trotzdem kam das gesamte Material für einen Erder in Summe auf 187,- Euro inklusive Versand.

Um den Tiefenerder einzuschlagen braucht man nur noch eine Bohrhammer oder Schlaghammer mit SDS-max Werkzeugaufnahme. SDS-max ist ein Schnellspannfutter ähnlich wie bei herkömmlichen Schlagbohrmaschinen. Allerdings ist der Durchmesser des Stabs 18 mm und die Aufnehmung entsprechend massiver. Das abgebildete Teil wiegt 1,5 kg und ist in der Mitte flexibel um beim Einschlagen nicht wegen jeder kleinen Bewegung der Maschine die Stange schief ins Erdreich zu treiben.

Für das Einschlagen des Stabes braucht es eine mächtige Maschine, denn mit einer 'normalen' Schlagbohrmaschine findet man hier sicher nicht das Auslagen. Schließlich muss der Stab in unserem Fall zumindest 2,8 Meter tief ins lehmige Erdreich geschlagen werden, was trotz des geringen Durchmessers nicht ganz so einfach erscheint.

In unserem Fall kam ein Schlaghammer von Bosch, nämlich der Bosch Professional GSH 11 VC mit 1.700 W zum Einsatz. Dieses Gerät besitzt mit einer Schlagenergie von 23 Joule bereits die besten Voraussetzungen für das Einschlagen von Stäben mit bis zu 7,5 Meter Länge (natürlich in handlichen Einzelteilen).

Dieses Gerät ist eigentlich dafür gemacht um Beton und Mauerwerk klein zu meißeln. Die Rezensionen versprachen ein Monster mit so viel Kraft, dass herkömmliche Einfamilienhäuser bereits nach kürzester Zeit nachgeben und in sich zusammen brechen, wenn man das will und auf Zerstörung aus ist. Es handelt sich also um ein echtes Profi-Gerät das zudem noch im preislichen Mittelfeld liegt. In dieser Gewichtsklasse gibt es Maschinen die weit mehr als das Doppelte dieses Schlaghammers kosten und auch nicht mehr Leistung bieten.

Um den Erder richtig zu positionieren entfernte ich neben unserer Bodenplatte zuerst den Schotter aus der Einfassung des Hauses. Ich wusste noch vom Einfüllen, dass das Erdreich an dieser Stelle etwa in 30 cm Tiefe zu finden ist. Als der Schotter aus dem Weg geräumt war konnte ich mich um die Bohrung kümmern.

Damit der Erder später nicht schräg im Erdreich stecken würde, nahm ich die normale Schlagbohrmaschine mit einem 20 mm Bohrer zur Hand und bohrte ein senkrechtes Loch in des Erdreich. Somit konnte ich den Stahlstab bereits 25 cm in die Erde stecken und sicher stellen, dass er später absolut waagerecht stehen würde.

Dann setzte ich das Bosch Monster mit der eingespannten Einschlaghilfe auf den Bolzen des Stabs und schaltete ein. Der Hammer ging ab wie eine Rakete. Wie mit einem elektrisch betriebenen Presslufthammer wurde die Stange in den Boden getrieben, und war nach nicht einmal 90 Sekunden komplett versenkt. Nun steckte ich die Verlängerung auf die erste Stange und hatte den nächsten Kraftakt vor mir.

Da zuvor die Stange bereits knapp 30 cm tief in der Erde steckte und ich diesmal ja noch ein Stück
der Stange heraus schauen lassen musste, lag diesmal der Bolzen für die Einschlaghilfe um etwa 40 cm höher als bei der ersten Stange. Ich musste also den Schlaghammer über Kopf einsetzen, was selbst mit trainierten Oberarmen gar nicht so einfach war. Hätte ich mir eine Leiter geholt wäre es einfacher gewesen - zu einfach für einen 'echten' Heimwerker ;-)

Für das zweite Segment brauchte ich nun doch schon erheblich länger, da die erste Stange bereits einen ordentlichen Reibungswiderstand erzeugte. Etwas mehr als fünf Minuten hämmerte der Bosch Hammer auf die Stange ein, welche zeitweise dadurch etwas stärker in Schwingungen versetzt wurde. Dabei achtete ich darauf, dass ich den Erdspieß nicht zu tief einschlug, damit später der Anschluss zwischen Fundamenterder und Tiefenerder halbwegs leicht zugänglich ist. Auch dieser Einsatz war keine wirkliche Herausforderung für das Gerät.Somit brauchte ich für das Einschlagen der Stangen weniger als sieben Minuten.

Nun musste ich nur noch den Runddraht der Fundamenterdung, der ja bereits mit dem Verteilerschrank im Inneren des Hauses verbunden war, mit dem Tiefenerder zusammen schließen. Auch das war in wenigen Minuten erledigt.

Da mir die entsprechenden Messgeräte fehlen, ich aber trotzdem wissen wollte ob meine Arbeit von Erfolg gekrönt war, versuchte ich mein Glück mit einem einfachen Multimeter. Zuerst steckte ich den einen Kontakt ins Erdreich und hielt den anderen Kontakt an den Runddraht. Der Durchgangsprüfer gab ein Signal und der Widerstand war zwar sehr hoch, aber lag im messbaren Bereich. Bei einem zweiten Versuch hielt ich eine Messspitze an den Runddraht im Inneren des Hauses der an die Potentialausgleichsschiene angeschlossen ist, und die andere Messspitze an die Erdungsleitung des Energieversorgers. Diese Leitung sollte meines Wissens nach in der rund 150 Meter entfernten Trafostation geerdet sein. Erstaunlicher Weise erhielt ich auch hier ein schwaches Durchgangssignal.

Es dürfte also alles soweit korrekt funktionieren und unser Haus nun endlich über eine ordentliche Schutzerdung verfügen. Der Arbeitsaufwand hielt sich dabei auch absolut in Grenzen, wenn man das geeignete Gerät zur Verfügung hat. Hier bieten Baumärkte allerdings Leihgeräte die diesen Zweck erfüllen können.

Sonntag, 24. Januar 2016

Resümee nach über drei Jahren

Die Fertigstellung unseres Hauses liegt nun über drei Jahre zurück. Zumindest im Groben, denn ganz fertig wird man ohnehin nie.

Nach dieser Zeit können wir nun erstmals sinnvoll resümieren, denn nun haben wir schon lange genug gewohnt, um Schwachstellen in unserer Planung und der Umsetzung aufzudecken.

Das Erfreuliche - zumindest für uns - ist, dass wir kaum Punkte fanden bei denen wir eklatante Fehlentscheidungen einräumen müssten. Trotzdem hätten wir so manche Entscheidung besser treffen können, wobei nicht immer ausreichend Informationen für eine ordentliche Entscheidungsfindung vorhanden waren.

Grundrisse, Zimmer und Einrichtung

Bei den Grundrissen und der allgemeinen Bauplanung sind wir auch heute noch der Ansicht, dass es so gut wie kein Potenzial zur Verbesserung gibt. Die Räume sind ideal angelegt, bieten ausreichend Platz zur Entfaltung und sind aus Sicht der Reinigung auch sehr gut eingerichtet.


Mädchenzimmer mit viel rosa 
Jugendzimmer mit eher coolem Touch
Die von unseren Blog-Lesern immer wieder als viel zu groß kritisierten Kinderzimmer sind trotz ihrer Größe von je 21 Quadratmetern nicht ungemütlich und werden von unseren Kindern ausgiebig genützt. Im Gegensatz zu anderen Familien ist unser Wohnbereich im Erdgeschoß zu keiner Zeit mit Spielsachen angeräumt, weil unsere Kids einfach nie ausweichen müssen. In vielen anderen Häusern die von Familien mit Kindern bewohnt werden sieht das Wohnzimmer wie eine Außenstelle der Kinderzimmer aus. Natürlich hat das auch ein Wenig damit zu tun, dass die Kinder sich gerne in der Nähe der Eltern aufhalten, allerdings sehen unsere Kindern keine Veranlassung ihre Spielsachen ins Wohnzimmer zu schleppen. Statt der Eltern müssen dann halt immer wieder Freunde eingeladen werden, was uns ohnehin angenehmer erscheint. Gemeinsame Zeit verbringen wir genug, auch ohne Playmobil und Co. im Wohnzimmer.

Auch die Fliesenböden stellten sich im Nachhinein betrachtet eher als positiv heraus. Keine Spur von zu kalt zum Spielen und ungemütlich. Durch die Fußbodenheizung werden die Böden konstant auf einer Temperatur von etwa 24° Celsius gehalten. Natürlich haben Fliesen die Eigenschaft durch ihre sehr gute Wärmeleitfähigkeit eher als kühl wahrgenommen zu werden. Unangenehm sind sie trotzdem nicht, wenn man am Boden sitzt und spielt. Wobei sich die Zeiten des Spielens am Boden bei uns sowieso bereits reduzieren. Mit zunehmenden Alter der Kinder verlagert sich das Spiel immer weiter nach Oben.

Seit unserem Einzug haben sich aber gerade bei den Kinderzimmern ein paar Änderungen ergeben. So hat unser Sohn mittlerweile eine eigene Couch in seinem Zimmer, auf der er chillen und lesen kann, die dann auch noch eine Schlafgelegenheit für seine Gäste enthält.

Unsere Tochter erweiterte den Einrichtungsumfang nur um eine Zimmerpflanze und verschiedene selbst gemalte Bilder an der Wand.

Beide Kinder bekamen zu Weihnachten Luftbefeuchter aus Zirbenholz geschenkt die einen angenehmen Geruch verströmen und für einen ruhigeren Schlaf sorgen sollen. Zudem lässt sich damit natürlich auf die Luftfeuchtigkeit ein bisschen anheben, was vor allem im Winter recht gut ist.

Fadenvorhang im Schlafzimmer
Im Schlafzimmer brachten wir ebenso wie in den Kinderzimmern einen dezenten Sichtschutz am Fenster an. Grundsätzlich bin ich kein Freund von Vorhängen, weil wir sowieso Rollläden an den Fenstern haben die am Abend für einen perfekten Sichtschutz sorgen. Unter Tags sieht man durch die stark spiegelnden Fenster kaum in die Räume, weshalb für mich Vorhänge eine eher untergeordnete Rolle spielen. Meine Frau sieht das naturgemäß etwas anders, weshalb wir letztendlich doch in einigen Räumen so etwas wie Vorhänge montierten.
Die Ankleide

In den Kinderzimmern und im Schrankraum wurden die fix verglasten Fenster mit Fadenvorhängen die auf Klemmstangen für Duschvorhänge aufgefädelt sind etwas netter gestaltet. die so entstandenen Kosten von knapp 30 Euro je Fenster und das fehlen von Montageaufwand wegen des einfachen Klemmmechanismus waren für mich sehr überzeugend.

Auch im Schlafzimmer gibt es jetzt einen Fadenvorhang der seitlich von zwei Stores eingefasst ist. Dadurch wird die Sicht von Außen ins Schlafzimmer am Abend so gut wie gar nicht eingeschränkt weshalb man auf das Runterlassen des Rollladens nicht verzichten kann. Aber mit Vorhang sieht der Raum gleich wohnlicher aus.

Der Vorhang im Schrankraum sorgt unter Tags aber wirklich für einen zusätzlichen Sichtschutz, da man durch unter bestimmten Lichtvoraussetzungen von Außen hinein sehen konnte. Im Gegensatz dazu nimmt der Fadenvorhang dort nicht so viel Licht weg, dass man geneigt wäre unter Tags das Licht anzuschalten.

Kaum Veränderungen gab es im Gästezimmer, da dort die sehr funktionelle Einrichtung kaum mehr verbessert werden konnte. Sowohl das IKEA Bett das sich auf die Breite eines Doppelbettes ausziehen lässt als auch die Kästen passten schon sehr gut. Also mussten wir hier auch nicht nachbessern. Lediglich ein Fliegengitter wird dieses Jahr an der Außenseite des Fensters dazu kommen, damit unsere Gäste das Fenster in der Nacht offen lassen können ohne im Sommer von Gelsen zerstochen zu werden.

Auch im Vorzimmer kamen nur ein paar Bilder und eine Wandleuchte hinzu seit wir eingezogen sind. Im Winter ist der obere Vorraum etwas dunkel, wenn alle Türen zu den Zimmern geschlossen sind, da dann zu wenig Licht beim großen Fenster im Stiegenhaus herein kommt. Dieser Umstand ist aber einfach nicht zu verhindern, weil unser Vorraum ein reiner Zubringer zu den Räumen ist und wir für eine besser Versorgung mit Tageslicht nicht auf Raum in einem der Zimmer verzichten wollten.

Wenn ich gerade beim Stiegenhaus bin: Dort ist uns nach ein paar Wochen bereits ein kleiner Fehler in unserer Planung aufgefallen. Wir verzichteten aus optischen Gründen auf einen Handlauf an der Mauerseite, da wir dachten, dass der Handlauf der Treppe mit den Glasplatten ausreichen würde. Dabei dachten wir nicht an unsere und vor allem die Besucher-Kinder, die mit einer besonderen Leidenschaft entweder das Glas unter
Immer wieder Fettfingerchen am Glas
und dunkle Kinderhandabdrücke an
den Wänden
dem Handlauf oder die weiß gestrichene Wand zum Abstützen verwenden. Der Handlauf selbst dürfte für die meisten Kinder zu hoch liegen. So weisen die Glasplatten der Treppe immer nachdem wir Besuch hatten unzählige Fingerabdrücke auf, die sich vom Glas jedoch leicht wegwischen lassen. Viel unangenehmer sind die Handabdrücke auf der weißen Wand, die sich vom Treppenansatz an der kompletten Wand entlang erstrecken. Zu Beginn versuchten wir diesen Flecken noch mit einem Schmutzradierer Herr zu werden. Mittlerweile haben wir es allerdings bereits aufgegebenen und warten einfach darauf, dass die Kids alt genug sind. Dann werden wir die Wand streichen und drauf hoffen, dass die weiße Farbe dann länger unbeschmutzt bleibt. Eventuell setzen wir an dieser Stelle dann Latexfarbe ein die man abwaschen kann.

Ebenfalls eine farbliche Veränderung werden wir in den Toiletten vornehmen, da sich dort der
LED Beleuchtung in der
Dusche
Einsatz von abwaschbarer Wandfarbe in jedem Fall lohnt. Es ist einfach hygienischer, wenn man die Wände reinigen kann.

Unabhängig von der Farbe und eines zusätzlichen Spiegels von IKEA der nun die Betrachtung des ganzen Körpers zulässt, hat sich im Bad des ersten Stocks hauptsächlich die Beleuchtung geändert. So kam eine Glasplatte über den Spiegeln hinzu unter der sich zwei LED-Streifen befinden. Je ein kaltweißer und warweißer Streifen erhellen das Bad nun von Oben. In der Dusche kam ebenfalls eine Glasplatte an die Decke unter der ein RGB-LED-Streifen für unterschiedliche Farbstimmungen sogt. Die Farben werden über eine kleine Fernbedienung umgestellt. Die LED-Streifen sind in jedem Fall auf kleinen Holzleisten fixiert.

Außerdem stellten wir einen Hocker aus Massivholz neben die Badewanne um die ganzen Wässerchen und Essenzen irgendwo abstellen zu können.

Mit der Entscheidung, Küchenmöbel im Badezimmer einzusetzen lagen wir übrigens absolut richtig. Nach mehr als drei Jahren erkennt man nicht einmal im Ansatz irgend welche Abnutzungserscheinungen an den Schränken. Weder der tägliche Gebrauch noch die höhere Luftfeuchtigkeit konnten den Küchenmöbeln von IKEA in unserem Bad zusetzen. Wir würden uns auch jetzt mit Sicherheit wieder dafür entscheiden.

Die Badewanne hätten wir hingegen getrost weglassen können. Auch wenn unsere Tochter immer wieder gerne baden geht, brauchen wir die Wanne vorwiegend in den kalten Monaten und dann auch nur ein bis maximal zwei Mal pro Monat. Somit verwenden wir die Wanne etwa 6-12 Mal pro Jahr. Also eher selten.

Auch im Erdgeschoß sind wir mit der gewählten Raumaufteilung zufrieden. Jedoch geht uns ein ordentlicher Lagerraum im konditionierten Raum ab. Der Dachboden und die Gartenhütte haben sich als eher ungeeignete Lagerflächen für temperaturempfindliche Gegenstände erwiesen. Außerdem können wir im Sommer nichts kühl lagern was nicht in den Kühlschrank passt. Besitzer eines Lagerraums im Keller haben hier einen entscheidenden Vorteil, denn haben im Keller meist eine konstante Temperatur zwischen 15° und 18° Celsius, wenn der Keller nicht extra beheizt wird. Wir lagern daher zum Beispiel unsere Ski und Skischuhe im Büro, da es dort keine großen Schwankungen gibt. Die Ski am Dachboden wären im Sommer Temperaturen von bis zu 60° Celsius ausgesetzt und würden entsprechend darunter leiden. Dafür sinkt dort oben im Winter die Temperatur oft weit unter den Gefrierpunkt was für andere Lagerobjekte manchmal ebenso ungut ist.

Seit unserem Einzug wurde an der Küche kaum etwas verändert. Lediglich die Rückwand hinter der

Blick in die Küche
Arbeitsfläche ist durch eine weiße Glasplatte 'veredelt' worden und kann nun mit einem feuchten Tuch abgewischt werden. Früher hatten wir einfach die Flecken an der weißen Wand und mussten damit leben. Die Glasplatte ist übrigens eine, an der Rückseite weiß lackierte und 5 mm starke Platte.
Ebenso aus Glas ist die Platte mit der die LED-Streifen über der Kochinsel versteckt wurden. Dieses Glas ist jedoch nur einseitig mattiert und lässt ausreichend viel Licht durch um die Küche gut zu beleuchten. Trotzdem scheint die Technik darunter nur ganz dezent durch. Ebenso sind wir mit der Beleuchtung über der Bar verfahren. Dort befinden sich unter der Glasplatte ein weißer LED-Streifen und ein RGB-LED-Streifen die jeweils unabhängig von einander geschaltet werden können.

Das Design der Küche würden wir wieder so halten. Also alles weiß mit dunklen Akzenten. Allerdings würden wir eines definitiv nicht mehr so machen, wie wir es beim ersten Aufbau der Küche taten. Wir würden uns keine Arbeitsplatte aus Akazienholz anfertigen lassen, denn dieses Holz unterliegt einer enormen Schrumpfung wenn es noch nicht komplett getrocknet verkauft wird. Als wir die Arbeitsplatte bei BAUHAUS kauften und uns dann vom Tischler auf unsere Küche anpassen ließen, wussten wir nicht, dass dieses Holz bis zu 3% schrumpft wenn es an Feuchtigkeit verliert. In unserem Fall heißt das, dass die Arbeitsplatte von 102 cm breite an der Kochinsel auf knapp unter 100 cm zusammen gegangen ist. Dadurch stehen nun die Ladenfronten der Schränke über die Arbeitsplatte hinaus. Das sieht nicht besonders hübsch aus und ist unpraktisch weil gerne mal Brösel in die obersten Laden fallen. Sobald wir etwas Geld auf der Seite haben werden wir die Arbeitsplatte wohl tauschen lassen.

Großer Esstisch der auf 300 cm
ausgezogen werden kann
Der neue Esstisch hingegen war eine gute Anschaffung. Natürlich immer unter dem Augenmerk, dass er um etwa 70% günstiger war als vergleichbare, massiv wirkende Tische und dementsprechend natürlich seine Tücken hat. So ist die Tischplatte relativ dünn und auch ziemlich kantig. Dadurch drückt sie bei längerem Sitzen mit aufgelehnten Armen schon mal etwas ungut in die Unterarme. Je kleiner man ist, desto intensiver spürt an das. Ich werde vermutlich ein bisschen was von der Kante abtragen damit ich den Effekt etwas abschwächen kann. Allerdings muss ich mir zuvor ansehen ob das mit diesem Tisch überhaupt geht ohne, dass dann die Kanten heller sind als der Rest der Tischplatte.
Der Kamin heizt das
ganze Haus und das
Warmwasser

Ebenfalls im großen Wohnraum befindet sich der Kamin an dessen Seitenwand wir eine Lampe im Fackel-Design montierten. An der gegenüberliegenden Seite bauten wir ein Regal in dem wir die Holzbriketts für unserem Kamin lagern können. Neben dem Holz ist dort auch der Subwoofer der Stereoanlage sowie der Verstärker und der Blu-Ray Player untergebracht.

Wohnecke im Wohnraum
Anfangs hatte ich ein wenig Bedenken, dass die aus dem Kamin immer wieder heraus fallenden glühenden Holzstückchen dem Boden davor Schaden zufügen könnte. Die Granitplatten im Kopfsteinpflaster-Look bekamen zwar im Lauf der Jahre einige Brandflecken. Die verleihen dem Boden jedoch einen ganz eigenen Charm. Ein einziges Mal passierte es, dass ein glühendes Holzstück aus dem Ofen fiel und bis an das Ende des gepflasterten Bereichs rollte. Glücklicher Weise wurde der Holzboden dadurch nicht beschädigt. Das jedoch nur, weil Sabine so schnell reagierte und das glühende gleich Holz auf die Metallschaufel nahm.

Neu hinzu gekommen ist auch eine Truhe für die Sitzauflagen der Gartenmöbel. Wir wollten nämlich nicht jedes Mal in die Gartenhütte gehen um die Auflagen zu holen. Daher lagern wir diese im Sommer im Wohnzimmer. Da wir die Auflagen im Winter nicht benötigen, dient die Truhe dann eher als große Fläche für weihnachtliche Deko und als Stauraum für unsere Fitness-Artikel. Wie auch schon im Obergeschoß setzte meine Frau ihren Wunsch nach Stoff um die Fenster durch. Also montierte ich auch im Wohnzimmer Gardienenstangen und seitliche Stores. Zugegebener Maßen wurde der Wohnraum dadurch wirklich wohnlicher, also waren das gut investierte 140,- Euro.

Die Innentüren

Unser Entscheidung fiel damals auf DANA Türen, weil diese angeblich sehr hochwertig wären und weil es das DANA Motion System als Türdämpfer ein sehr vielversprechendes System war.

Nach mehreren Jahren des Ärgers sind wir uns absolut sicher, dass die Türen von jedem anderen Anbieter vermutlich besser gewesen wären. Entweder sie wären günstiger oder zum gleichen Preis besser verarbeitet gewesen.

Die Türstöcke reagieren sehr empfindlich auf Stöße mit dem Staubsauger, wenn man die Kurve mal zu eng nimmt. An zwei Türstöcken sind bereits die Kanten ausgebrochen, da der Überzug der Platten sehr dünn ist.

Die Magnetschließen der DANA Türen sind definitiv nur was für Leute die unempfindlich auf Geräusche reagieren oder einfach mit Schwerhörigkeit geschlagen sind. Bei jedem Öffnen und Schließen der Türen machen die Türschlösser sehr stark vernehmbare Klickgeräusche. Darauf kann man getrost verzichten.

Das DANA Motion System ist dann die schlimmste Folter am Türensektor. Die Konstruktion des Schließmechanismus ist derart schlecht durchdacht, dass sich das Gestänge beim Öffnen und vor allem beim Schließen der Türen ziemlich stark verspannt. Als Resultat dieser Verspannungen erhält man ein lautes Knallen das in der Nacht so ziemlich jeden Bewohner des Hauses aus dem Bett hebt. Die Probleme haben wir bereits in einem anderen Post beschrieben.

Heizung und Haustechnik

Wenn es etwas gibt, das wir bei einem Neubau anders machen würden, dann betrifft es die Heiztechnik. Dabei war die Überlegung das Haus nur durch den zentralen, wasserführenden Kaminofen zu beheizen absolut richtig. Allerdings trafen wir eine falsche Entscheidung mit dem Lieferanten der Solaranlage. Unsere Wahl einen österreichischen Anbieter zu vertrauen war zwar löblich, in unserem Fall aber leider ein absoluter Reinfall.

Die Solaranlage

Wir ließen die thermische Solaranlage die wir bei Santer Solarprofi GmbH kauften vom Installateur einbauen. Dieser füllte die Anlage auch und nahm sie in Betrieb. Dabei schien alles problemlos zu laufen. Nachdem die elektronische Steuerung eingestellt war und der Sommer kam, lief die Anlage meist nur bis um zehn Uhr vormittags. Weil die Anlage bereits sehr früh stagnierte, das bedeutet, dass die Pumpe wegen einer Überhitzung des Systems abschaltet. Daraufhin heizen sich natürlich die Solarkollektoren am Dach noch stärker auf. Dadurch werden die Dichtungen zwischen den Kollektoren über Gebühr belastet und werden in Kombination mit dem Glykol im Kreislauf brüchig.

Schon nach wenigen Tagen nahm ich Kontakt mit dem Hersteller (Santer Solarprofi) auf um das Problem mit der Stagnation zu besprechen. Dort erhielt ich von einem Techniker die Auskunft, dass das bei der Größe unserer Anlage (20 qm) normal sei, da die Kollektoren sehr schnell aufheizen. Also machte ich mir keine weiteren Sorgen deswegen. Da aber der Druck in der Anlage dadurch auch immer auf einen sehr hohen Wert stieg kontaktierte ich den Hersteller abermals. Wieder war die Aussage die Gleiche und ich sollte mir keine Sorgen machen. Über zwei Jahre ging das so, dass wir kaum solare Erträge hatten und die Anlage schon früh stagnierte.

Als nach zwei Jahren die Pumpe den Geist aufgab musste diese von unserem Installateur getauscht werden. Dabei stellte dieser fest, dass ein Rückschlagventil in der Solarstation defekt war und die Anlage deswegen permanent so früh stagnierte weil dadurch ein sehr hoher Widerstand in der Vorlaufleitung war. Seit unser Installateur die Pumpe und das beschädigte Billigventil gegen ein Qualitätsventil getauscht hatte, lief die Anlage nahezu problemlos und ohne Stagnation. Nicht ein einziges Mal schaltete sich die Pumpe ab. Von wegen zu groß dimensioniert und ganz normal. Der Techniker des Herstellers war also offensichtlich nicht kompetent genug um uns auf eine mögliche Abweichung vom Sollzustand hinzuweisen, da er sich scheinbar mit der Materie nicht auskannte.

Durch die häufige Stagnation wurde wie gesagt die Dichtungen zwischen den Kollektoren angegriffen, was dazu führte, dass unsere Solaranlage nach drei Jahren Betrieb bereits undicht wurde und innerhalb eines Tages bis zu drei Liter Wärmeträger verlor. Nun müssen wir uns auf die Suche nach der undichten Stelle machen. Dazu müssen wir die Dachhaut von innen öffnen, da wir sonst nicht an die Verbindungsstücke ran kommen. Hoffentlich ist die Undichtheit dort zu finden. Falls nicht könnte es noch sein, dass in einem Kollektor die Kanäle gerissen sind. Dann wird die Sanierung noch schwieriger. Somit kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Entscheidung für die Santer Solarprofi GmbH als Hersteller der Solaranlage ein absoluter Fehlgriff war.

Der Holzofen

Es ist nicht immer komfortabel den Ofen einzuheizen um genügend Warmwasser zum Duschen zu haben oder um das Haus zu heizen. Vor allem an sehr kalten Tagen müssen wir oft wirklich kräftig einheizen, da sonst das Haus schnell etwas unterkühlt wirkt. Da werden schon 20-30 kg Briketts im Ofen verbrannt.

Durch den Ofen entsteht ein sehr angenehmes und gemütliches Umfeld. Mit einem Buch auf der Couch, einem Tee auf dem Couchtisch und einem Feuer im Kamin ist pure Entspannung vorprogrammiert.

Als Unterstützung der Heizung steckt in unserem Wärmespeicher ein Heizstab mit 6 kWh Leistung der 1:1 Strom in Wärmeenergie umwandelt. Das ist nicht besonders effizient. Daher würde ich bei einer Neuplanung vermutlich die Zusatzheizung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe machen. Das ist zwar in der Anschaffung und Installation etwas teurer, aber viel komfortabler.

Garten

Wir verzichteten aus Kostengründen auf die Verlegung von Platten im Garten und bauten unsere Terrasse aus Kunststoffbrettern (WPC). Außerdem wurden die Wege ums Haus und der Autoabstellplatz nur mit Schotter aufgeschüttet, da dieser weitaus günstiger war als Platten. Jedoch muss man schon sagen, dass es ordentliche Abstriche in Punkto Komfort bedeutet. So werden die WPC Dielen bis zu 80° Celsius heiß. Dass man auf diesen Brettern nicht mehr barfuß gehen kann ist nachvollziehbar. Außerdem verformen sie sich im Laufe der Jahre stark unter dem Einfluss von sehr hohen und sehr tiefen Temperaturen. Dadurch beginnt die Terrasse auch zu klappern wenn man darüber geht.

Die Wege und der Autoabstellplatz sind durch den Schotter sehr anfällig für wucherndes Unkraut. Außerdem verursachen laufende und spielende Kinder immer wieder tiefe Löcher im Schotter und starke Steinansammlungen im Rasen. Darauf reagiert dann der Rasenmäher-Robotor ein wenig verschnupft wenn er drüber fährt.

Ebenfalls anders machen würde ich die Bewässerung. Diese ist bei uns so ausgelegt, dass sie ausschließlich Wasser aus unserer Zisterne pumpen kann. Nun war der letzte Sommer so trocken, dass wir andauernd Wasser in die Zisterne füllen mussten, welches von dort über das Hauswasserwerk wieder heraus gepumpt werden musste. Hätten wir gleich von vornherein einen Anschluss an die Wasserleitung vorgesehen, dann hätten wir keine Probleme damit gehabt.

Alles in Allem sind wir also mit unserer Planung und mit der Ausführung sehr zufrieden. Lediglich ein paar Kleinigkeiten beschäftigen uns. Die Solaranlage ist dabei unser größtes Sorgenkind, das wir hoffentlich in diesem Jahr wieder dicht bekommen. Außerdem wird die Garderobe neu zu gestalten sein. Davon werden wir sicher hier im Blog berichten.

Samstag, 21. November 2015

Seat Mii Style 1.0

Da mein Eintrag zu unserem Seat Leon so großen Anklang findet, dachte ich mir, dass es für einige Leser eventuell auch interessant sein könnte von unseren Erfahrungen zum Seat Mii zu lesen.

In über zehn Jahren im KFZ-Verkauf konnte ich unzählige unterschiedliche Fahrzeuge beruflich fahren und erfühlen. Zudem legten wir mit fünfzehn privaten Autos auch schon mehr als 750.000 km zurück. So erhielten wir einen ordentlichen Querschnitt über verschiedene Fahrzeugklassen und Marken. Trotzdem betrachten wir unsere Autos mit den Augen normaler Benutzer. Es geht um Funktionalität, niedrige Betriebskosten, Alltagstauglichkeit und vieles mehr.

Unser Seat Mii Style 1.0 ist  nun etwas mehr als drei Jahre alt und wir legten damit bereits über 25.000 km zurück. Daher kann man auch in diesem Fall von einem Langzeittest sprechen. Da die Geschichte etwas länger wird, kann ich den massiven Einsatz des Mausrades nicht nur verstehen, sondern für Leser die nur an den Fakten interessiert sind sogar empfehlen :-)

Die Entscheidung

diesen Seat Mii zu kaufen fiel sagen wir mal eher spontan. Wir hatten am Ende unseres Hausbaues keine Verwendung mehr für zwei Kombis. Einer davon war ein Peugeot 307 SW (den wir dann durch den Seat Leon ST ersetzten) und der andere ein VW Golf Variant aus dem Jahr 2000 mit einer relativ geringen Laufleistung von nur 110.000 km. Nachdem der Golf innerhalb weniger Stunden nach der Veröffentlichung des Inserates bereits einen Käufer gefunden hatte, mussten wir eher schnell für einen Ersatz suchen der es uns ermöglichte unsere Kids täglich in die Schule, den Kindergarten, zum Training und was weiß ich noch wo hin zu kutschieren.

Dabei waren unsere Ansprüche an das Zweitauto eher gering. Schließlich wurde es hauptsächlich für Kurzstrecken benötigt. Meine Frau Sabine und ich setzten uns also hin und gingen mal durch was der Wagen unbedingt haben müsste. In unserem Pflichtenheft standen letztendlich folgende Punkte:

  • Es sollte ein Fahrzeug mit geringen Außenabmessungen sein, da es in der Stadt immer schwieriger wird Parkplätze zu finden.
  • Ein Benzin-Motor wäre bevorzugt, da diese im Winter doch noch immer eine spur Laufruhiger sind und auch die winterlichen Kurzstrecken eher verkraften. Dem gegenüber steht ein nur noch unwesentlich höherer Verbrauch, was aber durch einen günstigeren Anschaffungspreis meist wett gemacht wird.
  • Der Motor sollte wenig Leistung haben damit die laufenden Kosten günstig sind. Trotzdem sollte das Fahrzeug im unteren Geschwindigkeitsbereich halbwegs spritzig sein.
  • Bluetooth Connection mit Freisprecheinrichtung, denn jegliches Nachrüstgerät bot bislang nur einen Bruchteil des Komforts. Vorzugsweise mit Lenkradfernbedienung
  • Abgedunkelte Scheiben hinten, obwohl man sich das auch recht einfach nachrüsten lassen kann.
  • Na und kosten soll der Wagen natürlich so wenig wie möglich, da wir ihn finanzieren mussten und die monatlichen Kosten im Rahmen bleiben sollten.

Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch nicht auf die Konzernmarken VW, Audi und Seat beschränkt, da wir immer noch den Glauben hatten, dass auch andere Hersteller gute Autos bauen können. Lediglich die Marken Suzuki, Citroen und KIA/Hyundai hatten wir wegen der schlechten Erfahrungen der letzten Jahre komplett ausgeschlossen.

Zwischen 2004 und 2009 hatten wir einen KIA Picanto der damals stolze 11.500,- Euro kostete und dem Mii in Form und Funktionalität sehr ähnlich war. Dieses Auto hatte allerdings eine Vielzahl an außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten die wir zwar in den seltensten Fällen bezahlen mussten (Garantie), während derer wir aber jeweils nur ein Auto zur Verfügung hatten. So stand der Picanto in fünf Jahren ganze vier Monate in der Werkstatt, weil manche Teile aus Kore bestellt werden mussten und die Lieferzeit von dort elend lang ist.

Mit diesen Vorgaben machte ich mich auf die Suche. Dabei kamen neben Neuwagen natürlich auch junge Gebrauchte in Frage, da man sich hier schon mal ein paar Euro sparen kann.

Die Auswahl

wurde durch die Notwendigkeit eines schnellen Kaufs ein Wenig beschleunigt. Normaler Weise lasse ich mir immer sehr lange Zeit mit meiner Auswahl, da wir das Fahrzeug dann mehrere Jahre besitzen und schließlich möglichst bis zum Verkauf zufrieden sein wollen.

Meine Suche nach Kleinstwagen ergab naturgemäß eine unglaublich große Zahl an Ergebnissen die in vielen Fällen mehr oder minder ähnlich waren. Auch wenn ich kurz mit dem Audi A1 geliebäugelt habe, war mir schnell klar, dass dieser die Vorgabe "möglichst günstig" eher nicht erfüllen kann.

Letztendlich kamen mir die Schwesternmodelle VW up! / Seat Mii / Skoda CityGo unter, deren Markteinführung nur wenige Monate zuvor war und man sie daher im Straßenbild noch nicht so häufig wahrnehmen konnte. Die drei Fahrzeuge sind von der technischen Basis her baugleich und unterscheiden sich vorwiegend durch veränderte Anbauteil im Front- und Heckbereich sowie durch Ausstattungsunterschiede.

Die relativ kantige Form und der daraus resultierende Platz im Innenraum lassen die drei Modelle im Straßenbild sowohl attraktiv als auch praktisch auftreten.


Der Kauf

ging schneller über die Bühne als es der Weltauto-Verkäufer vom Porsche Interauto Betrieb in Wien Liesing gewohnt war.

Wir halten manche Dinge gerne einfach. Wenn wir uns ausreichend informiert haben und der Meinung sind, dass eine Ware es wert ist zu einem bestimmten Preis von uns gekauft zu werden, dann braucht es vor Ort keine Überzeugungskraft mehr. Außerdem kennen die, bei AutokäuferInnen gerne auftretende, Kaufreue nicht. Ist es einmal gekauft, dann ist der Fall erledigt. Sich im Nachhinein zu fragen ob der Kauf eine gute Entscheidung war bringt nichts mehr, weil der Vertrag bereits geschlossen ist und man nun nichts mehr machen kann.

Also gingen wir auf einen Verkäufer zu und fragten nach dem Seat Mii Style 1.0 in schwarz, der laut Weltauto-Börse auf dem Gebrauchtwagen-Platz stand. Der Wagen war eine Tageszulassung ohne Laufleistung.

Innerhalb weniger Minuten hatten wir gemeinsam mit dem Berater den Wagen gefunden, sind einmal darin zur Probe gesessen und stellten fest, dass es wohl keinen anderen mehr geben werde der in Punkt Preis und Leistung ein derart stimmiges Angebot bieten würde. Somit kauften wir den Wagen und schlossen auch gleich die passende Finanzierung inklusive Vollkaskoversicherung ab.

Der ganze Vorgang vom Betreten des Verkaufsraumes bis zum fertigen Finanzierungs- und Versicherungsvertrag dauerte gerade mal vierzig Minuten.

Die Optik

liegt im Auge des Betrachters. Natürlich. Unserer Meinung nach sind die Modelle von Seat in den letzten Jahren zunehmend sportlicher geschnitten worden. Vor allem bei den größeren Modellen macht sich das sehr stark bemerkbar, dass die Fensterlinien schmäler, die Fensterkanten höher und die Dachlinien flacher wurden.

Zugegebener Maßen ist es bei einem Modell wie dem Mii etwas schwierig diese Designlinie zu verfolgen, da die Abmessung sehr kompakt und die Möglichkeiten daher eher beschränkt sind. Trotzdem schafften die Designer von Seat so etwas wie einen sportlichen Touch in die Front des Fahrzeugs zu bringen.

Angefangen vom derzeitigen Markengesicht dessen markante Scheinwerfer weit in die Kotflügel reichen und dessen Kühleinlässe mit sportlichen Waben-Blenden versehen sind, spannen sich Kanten über die Motorhaube die den aktuellen Trend der modischen Blechkanten absolut gerecht werden. So wird beim Mii gleich an der Front die 'rundgelutschte' Optik vieler Kompaktautos vermieden.


Bei den Außenspiegeln wurde in der Design-Abteilung von Seat endlich mal ordentlich Hand angelegt, nachdem die Spiegel der letzten früheren Seat Generationen den Anschein erweckten, dass sie im Designprozess vergessen und dann noch schnell von einem Zulieferer angekauft wurden. Am aktuellen Modell gliedern sich die Außenspiegel in das kantige Gesamtbild perfekt ein.

Starke Kanten die sich von den großen Außenspiegeln über die Türen bis zum Kofferraum ziehen und und eine optische Verlängerung des hinteren Kotbleche bis in die vorderen Türen verleihen dem Zwerg ein dynamisches Auftreten. Dadurch sieh der Wagen schon im Stand schneller aus, als er es auf dem Papier zu sein vermag.

Die Türgriffe sind in einer Linie angebracht, liegen für durchschnittlich große Menschen auf einer guten Höhe und haben schön tiefe Griffschalen. Vor allem Frauen wird die Tiefe der Griffschalen auffallen, da es immer wieder mal vorkommt, dass man mit gut manikürten Fingernägeln am Lack im Inneren der Schale entlang kratzt. Das ist neben dem unangenehmen Gefühl auch nicht sehr vorteilhaft für den Lack. Weder auf den Nägeln noch am Auto.

Durch die für Fahrzeuge dieser Größenordnung eher flach stehenden Frontscheibe enthält der Seat Mii eine fließende Form im Frontbereich die sehr gut ins Auge geht. Etwas unpraktisch ist die etwas eingeschränkte Sicht nach links Vorne durch breite A-Säule. Bei langgezogenen Linkskurven im Wohngebiet neige ich dadurch dazu mich am Lenkrad nach Vorne zu ziehen um während der Fahrt den schlecht einsehbaren Bereich zu minimieren.

Am Heck blieb den Designer nicht viel Spielraum, da bei der kompakten Größe alles andere als ein Gerader Abschluss wohl zu Unstimmigkeiten mit dem Marketing geführt hätten. Es ist schließlich schwer jemanden in dieser Klasse ein Auto zu verkaufen dessen Nutzwert hinter dem Design angestellt wird.

Trotzdem empfindet man das Heck des Mii als sehr stimmig. Verantwortlich dafür dürfte die leicht schräg angestellte Heckscheibe und der etwas aus dem Heck ausgerückte Stoßfänger sein. Vor allem der Stoßfänger verleiht dem Seat Mii ein bulliges Auftreten, da dieser die Kotbleche überleitet und in eine Verbreiterung übergeht.

Alles in Allem ist der Seat Mii bei aller Funktionalität nicht langweilig.

4 von 5 Sternen


Der Innenraum

ist das was man beim Autofahren am häufigsten sieht und nützt. Daher ist es wichtig, dass hier alles passt und dort ist wo man es erwartet. Möglicherweise bin ich gerade in diesem Bereich etwas Markenblind, da ich der Meinung bin, dass gerade VW mit dem Golf nicht nur eine eigene Fahrzeugklasse schuf, sondern auch in der Bedienung Standards setzte. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich mich in Fahrzeugen anderer Marken nicht zurecht finden würde, aber so schnell und problemlos zurechtfinden wie in einem Fahrzeug des VW-Konzerns konnte ich mich noch in keinem anderen Modell.

Die Schalter sind dort wo man sie erwartet. Auch ohne einen Blick in das Bordbuch zu werfen hatte ich nie das Gefühl mich nicht zurecht zu finden. Auch gab es nie den Fall, dass ich mir dachte "Wo finde ich jetzt diese Einstellung?" oder "Wo ist nochmal der Knopf dafür?" Die Bedienung ist intuitiv einfach und logisch aufgebaut. Wobei ich zugeben muss, dass der Mii auch eher wenige zusätzliche Optionen bietet die über die Bedienungselemtene eines Fahrschulautos hinaus gehen.


Was die Haptik der Materialen betrifft muss man den Grundpreis dieses Autos immer im Hinterkopf behalten. Der recht massive Einsatz von harten Kunststoffen ist dem durchaus günstigen Basispreis dieses Modells geschuldet. So darf man sich nicht erwarten, dass Armauflagen in den Türen oder etwa das Armaturenbrett geschäumt sind. Auch sind die Türen nicht komplett verkleidet, was meiner Ansicht nach allerdings einen eigenen Charme verströmt. Mir persönlich gefällt die Kombination
aus lackiertem Blech (in Wagenfarbe) und der sich davon absetzenden (je nach Innenfarbe) Verkleidung sehr gut. Allerdings gefiel mir auch der Käfer sehr gut, obwohl der nicht aus meiner Generation stammt, und Retro ist ja wieder stark im Kommen.

Egal wohin man im Seat Mii blickt, man hat nie das Gefühl in einem billigen Auto zu sitzen. Die Verarbeitung der Materialien ist ausgezeichnet. Selbst bei großer Hitze oder starker Kälte mit Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt gab es keinerlei Knarzgeräusche im Auto. Sowohl der Armaturenträger als auch alle anderen Punkte an denen sich unterschiedliche Materialien (Metall, Kunststoff, etc.) treffen, verhielten sich bislang ruhig und unauffällig.

Die Sitze

in der ersten Reihe sind gut geformt, bieten einen sehr gute und ausreichend lange Auflagefläche und lassen sich perfekt auf Fahrerinnen und Fahrer zwischen 150 und 195 cm Körpergröße justieren. Die Längsverstellung ist auch für sehr lange Beine geeignet. Durch die parallele Höhenverstellung kann man sich ideal in Richtung Autodach hochpumpen. Dabei wird die Sitzfläche beim Verstellen der Höhe nicht geneigt. Bei manchen anderen Herstellern neigt sich die Sitzfläche schräg nach hinten wenn man den Sitz tiefer stellt. Zudem lassen sich natürlich die Lehnen neigen wie bei jedem anderen Fahrzeug. Die Neigung der Lehnen lässt sich durch einen kleinen Hebel auf der Sitzinnenseite schnell einstellen.

Was sofort auffällt sind die Integral-Kopfstützen. Diese lassen sich nicht in der Höhe oder Neigung verstellen und sollen für alle FahrerInnen ideal angepasst sein. Natürlich steckt hinter dem werbewirksamen Schönreden ein simpler Spargedanke. Einer der sich bei einem Auto dieser Klasse kaum vermeiden lässt, da man sich schon in der Entwicklung darum bemühen muss möglichst geringe Produktionskosten zu haben, um den Kunden ein möglichst preiswertes Auto anbieten zu können.
Meine Frau ist mit den Kopfstützen nicht ganz glücklich da diese ihrer Meinung nach eher unangenehm auf den Hinterkopf drücken. Mir fallen die Kopfstützen im Gegensatz dazu nicht mal auf. Vermutlich hat sie mit 164 cm Körpergröße und den oft zu einem Knoten gebundenen Haaren hier einen kleinen Nachteil.

Der Stoffbezug unseres Modells ist angenehm und verursacht keine elektrostatische Aufladung. Zudem ist er trotz der Kombination aus dunklen Seitenteilen mit hellen Mittelbahnen nicht besonders Anfällig für Verschmutzungen. Dafür verleiht diese Kombination dem Innenraum ein sehr freundliches Ambiente.

In der zweiten Reihe bietet unser Mii nur noch zwei weiteren Passagieren Platz. Selbst mit dem Fünfsitzerpaket und einem zusätzlichen Dreipunktgurt in der Mitte finde ich dieses Fahrzeug für längere Fahrten zu Dritt ungeeignet. Dafür währen die Platzverhältnisse im Font ungeeignet. Kopffreiheit bietet der Mii jedoch an vier Plätze mehr als genug. Hier würden sich vermutlich sogar Hutfahrer wohl fühlen, selbst wenn sie hinten Platz nehmen müssten.
Die Sitze selbst sind auch in der zweiten Sitzreihe sehr bequem, wenngleich die Beinauflage etwas geringer ist. Für Erwachsene sind die Sitze im Alltag vollkommen ausreichend und auch auf längeren Fahrten mit Kindern wurden sie bislang nie als unbequem empfunden.

Der Kofferraum

ist vorhanden. Denn was sollte man sich von einem Kofferraum in dieser Klasse Anderes erwarten.
Man kann erkennen, dass die Gestaltung des Laderaumes nicht zu den Top-Kriterien beim Design gehörten. Möglicherweise liegt das daran, dass Fahrzeuge in dieser Größenordnung vorwiegend als Zweitwagen und auch nur für kleinere Einkäufe genutzt werden.
Das soll jetzt nicht bedeuten, dass der Laderaum nicht nutzbar wäre. Ganz im Gegenteil. Man findet sogar relativ viel Platz um Dinge zu verstauen.

Die Einkäufe für eine vierköpfige Familie lassen sich problemlos verstauen und sogar Getränkekisten bereiten einem kein Kopfzerbrechen. Allerdings ist der Laderaum nur über eine hohe Ladekante zu erreichen über die man die Kisten erst einmal heben muss. Ein weiteres kleines Manko stellt die extrem dünne Platte über der Reserveradmulde dar, die an dieser Stelle lediglich eingelegt ist und an keiner Stelle extra fixiert werden kann. Stellt man beispielsweise eine Getränkekiste zu ungestüm auf die Platte, dann verrutscht diese schon mal und die Kiste kippt in die Reserveradmulde. Dann wieder für Ordnung im Kofferraum sorgen, vor allem wenn noch andere Dinge darin liegen, wird zur Sonderaufgabe.

Um den Kofferraum zu erweitern lässt sich die Rücklehne der hinteren Sitzbank dann auch noch umlegen (je nach Modell komplett oder geteilt). Somit ist nicht unbedingt Schluss, wenn man zwei Kisten im Kofferraum hat und noch immer Dinge zum Verstauen auf dem Bürgersteig stehen. Allerdings wird die Ladefläche nicht eben, wenn man die Lehne klapp. Zudem entsteht eine Kante zwischen Kofferraum und Lehne die etwa 12 cm hoch ist.

Der Innenraum ist durchwegs funktional und praktisch, sauber und aufgeräumt und mit ordentlichen Materialien umgesetzt. Dass im Vergleich zu größeren Modellen Abstriche zu machen sind liegt auf der Hand. Schließlich bezahlt man für hübscher verarbeitete Modelle ja auch einen ordentlichen Aufpreis.

4 von 5 Sternen


Die Funktionsausstattung

ist bei einem modernen Auto oft extrem umfangreich. Unzählige Features die einem den Autoalltag erleichtern sollen sind meist bereits serienmäßig an Bord oder können aus teilweise unüberschaubaren Aufpreislisten gewählt werden.

Beim Seat Mii muss man sich darüber dann doch nicht so sehr den Kopf zerbrechen, da dieser einerseits recht ordentlich ausgestattet ist, und andererseits kaum viel besser konfiguriert werden kann.

Unser Seat Mii Style hatte bereits einige Features an Bord:


  • ABS
  • Front- und Seitenairbags (wobei der Beifahrer-Airbag abschaltbar ist)
  • Gurtstraffer vorne
  • ESP
  • City-Notbrems-Assistent
  • manuelle Klimaanlage
  • Zentralverriegelung
  • Fensterheber vorne
  • Radio mit RDS
Ehrlich gesagt erwarte ich mir von einem Stadtflitzer nicht mehr als das was er bereits bietet. Lediglich der Wunsch nach einer Freisprecheinrichtung war da. Einfach aus Gründen der Sicherheit. Da das Nachrüsten der Parrot FSE über 300,- Euro gekostet hätte, wählten wir den Weg über ein Nachrüst-Radio mit FSE welches über einen CAN-Bus-Adapter mit dem BUS des Seat verbunden ist. Der finanzielle Aufwand dafür lag bei knapp 130,- Euro inklusive der benötigten Adapter und Blenden.

Die Klimaanlage

bietet eine ordentliche Leistung und schafft es auch an den heißesten Tage das Klima im Auto auf ein
vernünftiges Niveau zu senken. Da sie manuell gesteuert wird muss man die Innenraumtemperatur selbst im Auge behalten, da die Anlage so lange kühlt bis man sie deaktiviert oder sie an der technisch machbaren Tiefsttemperatur angelangt ist.

Die Defrost-Funktion für die Windschutzscheibe und die Heckscheibenheizung liefern absolut perfekte Ergebnisse die gerade bei der Windschutzscheibe nur noch durch eine aktive Beheizung der selben übertroffen werden könnte.

Die Fensterheber 

werden manchen FahrerInnen nicht behagen, denn für die vorderen Türen können die elektrischen Fensterheber nur in der jeweiligen Türe bedient werden. So lässt sich das Fenster der Beifahrerseite nur öffnen oder schließen, wenn man sich hinüber beugt und an der Beifahrertüre die Taste drückt.

An den hinteren Scheiben gibt es überhaupt keine versenkbaren Scheiben. hier wurden aus Kosten- und vermutlich auch Platzgründen Ausstellfenster angebracht. Vor allem unsere siebenjährige Tochter bemängelt das immer wieder, weil sie die Fenster nicht ohne Hilfe öffnen kann (die Klammern sind ziemlich schwergängig). Außerdem würde sie gerne ab und zu das Fenster weiter öffnen können.

4 von 5 Sternen

Der Motor

ist trotz des geringen Hubraums und des Fehlens des vierten Zylinders recht ordentlich. Der Seat Mii 1.0 mobilisiert 60 PS aus 999 ccm Hubraum und bringt 95 Nm an die Räder der Vorderachse.

Das kling nicht besonders spritzig, relativiert sich aber durch das geringe Fahrzeuggewicht. Damit hat der Motor nämlich sichtlich keine Probleme bei der Beschleunigung. Außer wenn der Wagen voll besetzt ist. Dann anders als bei stärkeren Motoren merkt man jeden zusätzlichen Passagier im Fahrzeug. Sitzen vier Erwachsene im Auto, dann hat man das Gefühl aussteigen zu wollen um dem Fahrzeug durch dezentes Anschieben auf die Sprünge zu helfen.

Dafür ist der Motor, dessen Laufleistung erst bei geringen 25.000 km liegt, ein echtes Arbeitstier. Im Gegensatz zu den hochgezüchteten Aggregaten mit Kompressor, Turbo und Co. werkelt dieser Antrieb nahezu unbemerkt. Nämlich dann, wenn es darum geht Motoröl nachzufüllen. Nicht ein einziges Mal mussten wir zwischen den Jahresservices Nachfüllen. Ganz im Gegensatz zu dem Seat Leon bei dem wir spätestens alle 5.000 km für Ölnachschub sorgen müssen damit die Kolben sich nicht in ihren Zylindern festfressen.

Auch bei der letzten §57a Überprüfung (Hauptuntersuchung in Österreich) konnte außer ein bisschen Staub an der Oberseite absolut nichts Negatives an der Maschine festgestellt werden.

Die Fahrleistungen

sind wie bereits erwähnt der Motorleistung entsprechend. Man darf sich keinen sportlichen Vortrieb erwarten. Allerdings bewegt sich der Mii im unteren Geschwindigkeitsbereich bis etwa 60 km/h durchaus agil. So muss man sich in der Stadt keine großen Gedanken machen, nicht mit dem Verkehr mit schwimmen zu können. Im Gegenteil: Bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 50 km/h (Stadttempo) gehört man in vielen Fällen zu den Gewinnern beim Ampelstart, denn genau hier spielt der kleine Motor ohne Aufladung in Kombination mit dem geringen Gewicht seine Stärken aus.

Auch wenn es sich bei unseren Mii um ein Zweitauto handelt wird der Wagen nicht nur im städtischen Raum bewegt. Regelmäßige Fahren auf Bundesstraßen und hin und wieder längere Fahrten auf der Autobahn gehören ebenso zum Standard in unserem abwechslungsreichen Autoalltag. Dabei überzeugt der Mii auf Autobahnen mit einer wirklich flotten Gangart. Erst bei 175 km/h (Tachoanzeige) also reellen 164 km/h (GPS) ist Schluss mit Vortrieb.

Der Spritverbrauch

lag bei uns über die Laufleistung von 25.000 km bei durchschnittlich 5,41 Liter pro 100 km. Damit liegt der Verbrauch deutlich über den Herstellerangaben. Allerdings ist das nicht weiter verwunderlich, da der Messzyklus zur Ermittlung des Normverbrauches sehr wenig mit realen Anforderungen tun hat.

Die Zusammensetzung unserer gefahrenen Strecken war innerhalb der letzten drei Jahre immer in etwa folgender Maßen:

  • 60% Stadtanteil
  • 25% Freilandstraße
  • 15 % Autobahn
Nun sind wir keine besonders vorausschauenden Fahrer und können uns bei der Berührung des Gaspedals kaum in Zurückhaltung üben. Wir bewegen unsere Fahrzeuge eben gerne etwas zügiger und ordnen uns auch nicht besonders gerne weiter hinten ein. Außerdem wüssten wir nicht wie hoch die Höchstgeschwindigkeit liegt, wenn wir sie nicht zu erreichen versuchen würden. Diese Fahrweise kostet natürlich etwas mehr, weil dadurch auch der Verbrauch steigt. Ein Bekannter von uns fährt seinen Mii mit knapp unter 5 Litern auf 100 km. Wir erkaufen uns den zusätzlichen Fahrspaß mit einen halben Liter Sprit auf 100 km :-)


4 von 5 Sternen

Das Fahrverhalten

ist für einen Kleinstwagen wirklich erstaunlich. Ein bisschen wird man an das Fahren mit einem Go-Kart erinnert. Straßenbeläge werden teilweise nur gering gefiltert an den Innenraum weitergegeben. Sowohl akustisch als auch an den Rücken.

Die Lenkung

ist ziemlich direkt und lässt Rückmeldungen von der Straße durch. Man fühlt sich nicht so entkoppelt wie bei vielen anderen Fahrzeugen, sondern hat das Gefühl aktiv im Geschehen eingebunden zu sein. trotzdem geht die servounterstützte Lenkung sehr leichtgängig und erleichtertet damit vor allem das Einparken sehr.

Schnell gefahrene Kurven

sind nicht unbedingt die Spezialität des Seat Mii. Das Fahrwerk ist zwar eher fest ausgelegt, der geringe Radstand und der hohe Schwerpunkt des Wagens in Verbindung mit den eher schmalen Reifen lassen aber gerade in solchen Kurven ein wenig Stabilität vermissen. Hier merkt mein einfach, dass dieses Auto für die Stadt ausgelegt ist und dort auch die idealen Lebensbedingungen vorfindet.

Wer häufig auf Autobahnen unterwegs ist und dort ein höheres Tempo fahren möchte, wird vermutlich zu einem anderen Modell greifen.

Das Getriebe

kostete mich Anfangs Nerven. Dabei ist hier nicht wirklich das Getriebe schuld, sondern mein Gehirn dem es zu Beginn nicht einzutrichtern war, dass dieses Auto rechts unten (als an der Stelle wo bei den meisten Autos der 6. Gang sitzt) den Retourgang hat. Das wäre nun nicht das Problem, wenn der Retourgang in der Vorwärtsbewegung gesperrt wäre. Leider erhielt ich Anfangs immer ein trotziges Kratzen aus dem Getriebe, wenn ich versucht war, wie bei unserem anderen Auto, den 6. Gang einzulegen. Die Schaltung hinderte mich nicht daran, den Versuch zu starten und erst das Kratzen aus dem Getriebe informierte mich über meinen Fehler. Glücklicherweise würde es viel Kraft und Überzeugung brauchen während der Fahrt den Retourgang einzulegen. Für den Fall, dass man es schaffen würde, wären die Folgen aber vermutlich verheerend.

Grundsätzlich ist das Getriebe angeblich nur teilsynchronisiert (meinte der Mechaniker in der Seat-Werkstatt) was dazu führt, dass die Gänge nicht so satt einrasten wie bei anderen Modellen. Ich habe das Gefühl, dass sich der Seat Leon viel angenehmer schalten lässt als der Mii. Zu Problemen führte das freilich nie. Es fiel mir nur auf, dass sich die Gänge nicht ganz so sauber einlegen lassen.

Außerdem ist die Kupplung vermutlich nicht für hohe Belastungen ausgelegt. So kam es ab und zu dazu, dass bei voller Belegung mit vier Erwachsenen die Kupplung beim rückwärts Einparken im steilen Gelände rutschte und merklicher Kupplungsgestank in der Luft lag. Auch das sei bei diesem Modell normal und die Kupplung selbst zeigte danach auch keine negativen Auswirkungen.

Die Übersetzung der Gänge ist so gewählt, dass man mit 1. und 2. Gang ordentlich Vortrieb im niedrigen Geschwindigkeitsberich hat. Perfekt für den Stadtverkehr.

3 von 5 Sterne


Die Kosten

halten sich beim Seat Mii mit der 1.0 Liter Maschine in Grenzen. Beim Spritverbrauch ist er kein Asket, aber auch nicht über die Maßen anspruchsvoll und für Ersatzteile und Zubehör hatten wir bei anderen Modellen schon tiefer in die Taschen gegriffen.

Für die Bereifung wurde folgender Betrag fällig:
  • Ein Satz Winterreifen Michelin Alpin A4 165/70R14 81T montiert auf Stahlfelge 5.0x14 kam in Summe auf 412,40 Euro
Gerade beim Reifenkauf ist es nicht unerheblich ob für ein Fahrzeug Standard-Reifendimensionen typisiert sind. Im Vergleich dazu mussten wir bei unserem Kia Picanto für sogenannte Asphaltschneider (ziemlich schmale und kleine Bereifung) tiefer in die Tasche greifen, da es sich um ein kaum gängiges Sondermaß handelte.


Über die vergangenen drei Jahre hatten wir in etwa folgende Ausgaben:
  • Rund 1.350 Liter Treibstoff, der auf Grund des mittlerweile gesunkenen Ölpreises nun endlich wieder etwas günstiger ist, für knapp 1.700,- Euro.
  • Zwei Kanister Mobil F1 mit je fünf Liter für 100,- Euro
  • Drei mal Jahresservice (1. Jahr: 160,- / 2. Jahr: 220,- / 3.Jahr: 164,- ) für gesamt 554,- Euro
  • Nach fünf Jahren müssten die Sommer- und Winterräder ersetzt werden. Dafür nehme ich 600,- Euro an.
Somit stehen einer Laufleistung von knapp 700 km pro Monat Betriebskosten in der Höhe von etwa 75,- Euro pro Monat gegenüber. Dazu kommen noch etwa 25,- Euro für Haftpflicht und Vollkaskoversicherung in der niedrigsten Stufe sowie die österreichische KFZ-Steuer dazu.

Würde man nun auch noch den kalkulierten Wertverlust einrechnen, dann käme man auf monatliche Gesamtkosten in der Höhe von etwa 236,- Euro. Somit kann man dem Seat Mii attestieren, dass es sich in seiner Gesamtheit um echt kostengünstiges Fahrzeug handelt. 


5 von 5 Sternen für die Kosten

Unser Fazit

ist durchwegs positiv. So fanden wir im Seat Mii Style 1.0 einen flinken und beständigen Begleiter mit guter Ausstattung zum angemessenen Preis und durchaus vernünftigen Betriebskosten. Klein genug um auch bei schwierigsten Parkplatzbedingungen fündig zu werden, und groß genug um einer vierköpfigen Familie auch bei Kurzurlauben genug Platz für Sack und Pack zu bieten.

Sowohl der Motor als auch das Fahrwerk sind für die Klasse überdurchschnittlich gut gelungen. Das Fahrverhalten, die Platzverhältnisse und auch die Verarbeitung ist unserer Ansicht nach ebenso überdurchschnittlich.

In drei Jahren musste der Mii kein einziges Mal außertourlich in die Werkstadt. Die Kosten für das jährliche Service sind im Vergleich zu unserem Seat Leon ST etwas höher gewesen. Warum das so ist, blieb uns verborgen. Die Betriebskosten für Kraftstoff, Reifen und Service sind überschaubar

Somit ist der Seat Mii eine absolute Empfehlung als Stadtauto, als Zweitauto, für Familien die nicht den Anspruch haben große Urlaubsreisen mit dem Auto zu machen oder einfach als sicheres und spritziges Auto für junge Leute.

4 von 5 Sternen für das Gesamtpaket